Die Altstadt muss autofrei werden!

In Reutlingen haben wir uns das verbindliche Ziel gesetzt, bis spätestens 2040 klimaneutral
zu werden. Die Wende zur klimafreundlichen Mobilität spielt hier eine zentrale Rolle. Für die
Verkehrswende braucht es neben den sogenannten Pull-Faktoren auch Push-Faktoren, also
Maßnahmen, die klimaschädliche Mobilität unattraktiver machen. Hierzu gehört unter
anderem die Ausweitung autofreier Zonen, damit der Fuß- und Radverkehr in diesen
Bereichen attraktiver und der Autoverkehr eingeschränkt wird. Für Reutlingen fordern wir
deshalb, dass die gesamte Altstadt autofrei wird. Darunter verstehen wir das von
Lederstraße, Karlstraße und Gartenstraße umschlossene Gebiet. Demnach soll der
motorisierte Individualverkehr in allen Straßen im Gebiet der Altstadt nur noch für
Anwohnende frei gegeben werden.


Um dieses Ziel schnellstmöglich anzugehen und durch viele kleine Schritte zu erreichen,
haben wir im Gemeinderat einen Antrag zur probeweisen Umnutzung der Kanzleistraße im
Sommer gestellt. Dies soll im Rahmen einer verkehrlichen Neuordnung geschehen; die
Durchfahrt soll während des Aktionszeitraums auf Anwohnende beschränkt und bestehende
Parkflächen zugunsten von Aufenthaltsflächen reduziert werden. Zusätzlich wollen wir den
öffentlichen Raum um die Kanzleistraße beleben, beispielsweise durch Konzepte für eine
multifunktionale Nutzung, insbesondere für Sport- und Bewegungsangebote sowie
Spielbereiche für Kinder. Hierfür wollen wir die betroffenen Akteure aktiv in die Gestaltung
einbeziehen.


Diese temporäre Umwandlung der Kanzleistraße im Sommer bietet die Chance, die
Aufenthaltsqualität in der Reutlinger Innenstadt signifikant zu steigern, da so sogenannte
dritte Orte entstehen. Bürgerinnen und Bürger gewinnen zusätzlichen Raum für soziale
Interaktionen, Freizeit und Begegnung, ohne Konsumzwang. So werden der gesellschaftliche
Zusammenhalt gestärkt und Menschen zusammengebracht. Zudem kommt die Belebung
dem ansässigen Einzelhandel und der Gastronomie zugute. Sie gewinnen mehr Platz und
werden besser wahrgenommen als vom Auto aus. Die Aufenthaltsqualität erhöht sich.


Studien und Praxisbeispiele zeigen, dass die Sorgen von Geschäftsleuten vor autofreien
Altstädten meist unbegründet sind. Es geht uns auch nicht darum, den Autoverkehr stumpf
zu verbieten. Wir wollen den gewonnenen Raum klug umgestalten. Und über die
bestehenden Parkhäuser am Rand der Altstadt, über Radwege und über Bus (und künftig
Regionalstadtbahn) bliebt die Erreichbarkeit gesichert.